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Rumänien

Mariliese Kudlich | 2018 | Europa
Mariliese Kudlich, Rumänien, Kindergruppe
Mariliese Kudlich, Rumänien

Über meinen Einsatz

Jetzt sind es 4 Wochen die ich hier bin. Dementsprechend habe ich mich hier eingelebt. Viele Dinge sind nun schon selbstverständlich, vieles von dem ich dachte es befremdet mich total, ist nun schon Alltag, manches von dem ich dachte „das geht schon“ ist schwieriger und wird auch immer schwieriger – aber wer weiß?

Zwischen meinem Leben in Wien und hier liegen unendliche Weiten

Nach wie vor bin ich sehr glücklich hier zu sein und immer überzeugter dass dieser Entschluss richtig für mich war und ist. Neben allen Umständen und Widrigkeiten, fühle ich es als großes Privileg und unendliche Bereicherung diese Menschen kennen zu lernen und langsam Freundschaften zu schließen. Zwischen meinem Leben in Wien und hier liegen unendliche Weiten.
Vor 10 Tagen war ich am Wochenende in Hermannstadt, um diesem Kessel zu entfliehen, auch aus dem Bedürfnis nach „Alleinsein und Privatsphäre“ und ebenso aus Sehnsucht nach Kultur.
Es ist wirklich krass wie 50 km Luftlinie (allerdings eine Fahrt von über 2,5 h) dort über den Bergen in Hermannstadt und dem touristischen Siebenbürgen, ein kulturelles Leben sehr westeuropäisch, statt findet. Eine andere Wirklichkeit. Es war ein schönes Wochenende und ich habe neben Kultur, Schönheit – auch eine gepflegte Dusche, endlich einen Spiegel und Sauberkeit sehr genossen.

… sie nennen sich die „Heruntergekommenen“

Zudem habe ich auch eine Gruppe aus ausgesprochen lieben und interessanten Menschen kennen gelernt, sie nennen sich die „Heruntergekommenen“ und sind ebenso Kinder, Enkelkinder von ausgewanderten deutschen Siebenbürgern, 2., 3. und 4. Generation, die zurückkehren um im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit oder im kulturellen Wiederaufbau/Renovierung zu arbeiten, es war sehr spannend. Auch war es fein interessante Gespräche in deutsch* zu führen bzw. das siebenbürgische Sächsisch wieder einmal zu hören.
Trotzdem war ich auf der Heimfahrt glücklich nach Petroșani heimzukommen, zu den Menschen mit denen ich hier lebe, arbeite. Mit meinen Kolleginnen verstehe ich mich wirklich gut und langsam entwickeln sich Freundschaften. Sehr langsam entsteht auch Kontakt zu den Eltern der Kinder, die ich betreue – dies ist sehr wichtig und läßt mich noch mehr hier ankommen.
Petroșani, ist ein Platz/Ort/Stadt/Kessel, der vergessen wurde – in der großen Gemeinschaft der EU … (?), oder einfach überhaupt ein Gott verlassener Ort, trotz all seiner Religionen und Gottesfürchtigkeit … Maria Stein, wo ich arbeite heißt „Zuflucht der vergessenen Kinder“ – so ist es. Aber es sind nicht nur die Kinder, auch ihre Mütter die sie bringen und abholen, ihre Väter, Großmütter, Tanten, … sie alle sind vergessene Kinder. Sehr stolz, so tapfer, …
Zum Abschluss etwas über meine Arbeit hier. Die Küchenarbeit bleibt mir bis zum Schluss, so viel ist sicher. Es ist absolut ok für mich, ich habe mich inzwischen an die Arbeit gewöhnt und merke dass hier meine Hilfe wirklich gebraucht wird.

Eine Herausforderung

Als Ausgleich und Herausforderung für mich, aber auch weil die Kinder so voller Neugier auf meinen Therapiehund Chili sind, er wiederum so neugierig auf die Kinder – habe ich mit der tiergestützten Therapie in kleinen Gruppen begonnen. Die Vorbereitung ist wirklich eine spannende Herausforderung für mich, die Arbeit in den Gruppen bereitet mir viel Freude und ist bis jetzt ein voller Erfolg.
Zu Chili: er fühlt sich hier inzwischen „pudelwohl“, ist glücklich endlich eine große Herde zum Beschützen und Bewachen zu haben. Außerdem hat er mehr Gärten und Spielmöglichkeiten als je zuvor, die Schwierigkeiten der rumänischen Sprache tangiert ihn gar nicht! Begegnungen mit aggressiven Strassenhunden überläßt er mir und versteckt sich einfach hinter mir.