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Großbritannien

Ivana Mijatovic | 2016 | Europa
Ivana Mijatovic, Grossbritannien, Gruppe
Ivana Mijatovic, Großbritannien

Über meinen Einsatz

Fernweh. Wanderlust. Ein Jahr im Ausland. Weg von zu Hause. Den Horizont erweitern.
Ich habe mich aus diesen und vielen weiteren Gründen für ein Jahr im Ausland entschieden. Nachdem ich über eine Broschüre von Grenzenlos stolperte, war es dann auch schon fix. Ein Freiwilligeneinsatz in Großbritannien sollte es sein.
Die letzten paar Wochen vor der Abreise waren die schlimmsten, emotionalsten und aufregendsten meines Lebens. Die Nervosität ließ mich nicht los. Tränen wurden auch vergossen, vor allem am Flughafen.

„Die Nervosität ließ mich nicht los“

Da saß ich dann auch schon. Im Flugzeug nach Heathrow. Bis zur Ankunft hatte ich es nicht realisiert. Ich kam an und wurde von fremden Gesichtern begrüßt, die Sprachkenntnisse waren zwar da, aber es kam nichts raus.
Alle neuen Volontäre wurden von ICYE UK herzlichst begrüßt und ins Camp gefahren. Ein 10-tägiges Vorbereitungs-Camp. Weg vom Gewohnten. Wir wurden von Dan, Cat und anderen Camp-Volunteers belehrt, wie man sich am besten in England zu recht findet, mit seinen Mitbewohnern klarkommt, Heimweh besiegt und dieses eine Jahr zum Besten seines Lebens macht. Ich hätte mir keine freundlichere Umgebung vorstellen können. Mal abgesehen davon, dass ich sowieso nicht wusste, was mich erwartete. 40 Volontäre aus der ganzen Welt! Von Mexiko bis Bolivien, Dänemark und Deutschland bis hin nach Japan, Korea und Indien. Das war erst mal viel zum Verdauen. Aber es kam natürlich noch mehr dazu, denn dann kam ich im September in mein Projekt. Nach dem ewigen vorbereiten, dem ganzen hin und her, all den neuen Gesichtern, ging es jetzt in ein neues zu Hause!

Ivana Mijatovic, Grossbritannien, Boot
Ivana Mijatovic, Großbritannien

Im Projekt

Ich habe mit 10 anderen Volontären in „Drummonds“ gelebt, aber mit Sandy aus Indien zusammen in Wakes Hall, einem Partner-Pflegeheim, gearbeitet. Die ersten paar Tage waren wie ein Schlag in den Magen. Doch auch voller Aufregung und neuer Sachen, es war eine Mischung aus Angst und Freude.
Die ersten paar Monaten waren die härtesten, vor allem zu Weihnachten war es dann nicht so leicht, plötzlich neue Kulturen, Sprachen und Menschen um sich zu haben. Aber mit so vielen Leuten, die alle dasselbe durchmachen, machte es plötzlich wieder Spaß. Menschen, die einen verstehen und aus ähnlichen Gründen da sind.
Unser Haus war eine Mischung aus Mexikanern, Kolumbianern, Asiaten aus Korea, Japan und Indien, natürlich dann noch mehr spanisch-sprechende aus Costa Rica und Honduras und Schluss endlich war da ich. Also so im Großen und Ganzen sind Wohngemeinschaften schon ziemlich lustig. Ach und die Arbeit erst! Man möge den schwarzen Humor der Briten nicht unterschätzen. Sarkasmus ist zu dem noch eine ihrer Stärken, das Essen aber eher ihre Schwäche.

„So hatte ich das noch nie erlebt“

Aber die Arbeit mit stark eingeschränkten Menschen ist ein ganz ein eigenes Thema. Das Verständnis, die Geduld, die Liebe die hier geteilt wurden. So hatte ich das noch nie erlebt. Man hilft mit Mahlzeiten, beim Ausgehen, Shoppen, an Weihnachten und anderen Feiertagen mit Deko aufhängen und beim Laune machen. Größtenteils ging es darum, für die Heimbewohner da zu sein und sie zu unterstützen. Manche Tage waren gut, andere wiederum schmerzhaft zum Ansehen. Doch war ich noch nie so glücklich und habe gefühlt, dass mein Beruf etwas Gutes getan hat.
Nach 11 Monaten im Dienst, musste aber auch ich mich verabschieden. Das tat richtig weh und war schlimmer als der Abschied mit der Familie. Ich werde mich immer an unsere großzügigen, lustigen und liebenswerten Bewohner erinnern, denn sie haben mir viel im Leben mitgegeben.
Manchmal wird aber die Arbeit und die Distanz zur Heimat zu viel. Dann versinkt man im Heimweh. Hier kommt man leicht raus, in dem man sich auf REISEN begibt!! Egal ob Liverpool, Cambridge, Oxford, Birmingham, London oder kleine Städte in der Umgebung – Wochenendtrips waren das Highlight! Die ganzen neuen Sachen, der unterschiedliche Lifestyle, die Freundlichkeit und Offenheit der Engländer konnten einen schnell mal zum Lachen bringen!

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Ivana Mijatovic, Großbritannien

Eine besondere Zeit

Eine Insel voller Akzente, schwankendem Wetter, Hügeln, Stränden, Piers, Fish and Chips, Crisps, Tee, Sarkasmus, Pünktlichkeit und Höflichkeit. So viel habe ich in einem Jahr erlebt, so viel durchgemacht, so viel Zeit zum Nachdenken gehabt und so viel Neues gesehen. Ich habe internationale Freundschaften geschlossen, die ich niemals und nie hergeben werde! Ein fettes Dankeschön an Grenzenlos und ICYE, die dieses Jahr möglich gemacht haben. Es wird für immer tief in meinem Herzen verschlossen bleiben und mich zum Lächeln bringen, wenn mein Rückkehr-Schock wieder zuschlägt.

Cheers Great Britain!