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Multikultur

 

Vorbemerkung: die multikulturelle Gesellschaft ist tägliche Realität und keineswegs gescheitert, wie zeitweise behauptet wird. Menschen unterschiedlicher Herkunft interagieren ständig – wie das tägliche Arbeitsleben und der tägliche Einkauf beweisen. Normalerweise steht zwischen ihnen auch kein spezieller “Kulturkonflikt”, obwohl er von manchen Seiten gerne heraufbeschworen wird.

Dennoch könnten die Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft enger sein, und das Nebeneinander existiert auch. Das kommt nicht zuletzt daher, dass wir immer noch zu wenig über einander wissen. Dieses Feld der Bildungsseite von Grenzenlos möchte praktische Informationen bieten, um mehr Kenntnis und Verständnis zwischen alten und neuen ethnischen Gruppen herzustellen. Wir beginnen mit ÖsterreicherInnen türkischer Herkunft sowie islamischen und jüdischen Glaubens, werden aber unsere Inhalte laufend erweitern und auch andere Gruppen einschließen.

Türkische Vornamen

Ist es “ein Er” oder “eine Sie”? … Weibliche und männliche türkische Vornamen gibt es hier zum Downloaden

Islamische und jüdische Feiertage

An Muslim_innen und Jüd_innen in Österreich gehen Weihnachten, Sylvester und Ostern schwerlich vorbei. Was aber wissen wir über die muslimischen und jüdischen Feiertage? Hier die nächsten Feste – Gelegenheiten, den Nachbar_innen alles Gute zu wünschen!

MUSLIMISCHE FESTE erklärt von Stephanie Jänsch

 

25.10.2014: Islamisches Neujahr
Das islamische Neujahr gilt als sehr wichtig in Geschichte des Islam, denn an diesem speziellen Tag wanderte der Prophet Mohammed, der Religionsstifter des Islam, im Jahre 622 n.Chr. mit seinen gesamten Anhängern von Mekka nach Medina aus um da das erste islamische Staatswesen aufzubauen.
Das islamische Jahr richtet sich nach dem Mond und hat deshalb nicht 365 Tage wie das Sonnenjahr, sondern nur 354 Tage – das Neujahr verschiebt sich daher “jährlich” um 11 Tage nach vorne, und ebenso alle anderen fixen Daten. “Heuer” beginnt das islamische Jahr 1436.

3.11.2014: Aschura
Für Schiit_innen: Aschura ist der Höhepunkt des islamischen Monats Muharram, der im schiitischen Islam ein Trauermonat ist. Während Aschura gedenken die Schiit_innen der Schlacht um Kerbela, im heutigen Irak. In dieser Schlacht wurden am 10. Tag des Monats Muharram Husain, der Sohn Alis und dritter Imam, sowie fast alle männlichen Verwandten im Krieg gegen die Umayyaden getötet. Die Aschura-Rituale finden entsprechend in den ersten zehn Tagen dieses Monats statt, wobei täglich ein anderes Ereignis im Mittelpunkt steht. Höhepunkt und Abschluss der Trauerzeremonien ist der zehnte Tag. Die Aschura-Riten als öffentliche Trauerriten umfassen sowohl Erzählungen, Prozessionen als auch kultische Inszenierung des Martyriums Husains. An jedem Tag steht ein anderes Ereignis der Schlacht im Mittelpunkt der rituellen Handlungen.

Für Sunnit_innen ist Aschura ein fakultativer Fasttag. Moses soll am 10. Muharram gefastet haben, aus Dankbarkeit, dass den Israeliten die Flucht aus Ägypten gelungen war. Mohammed selbst hat den Tag als Fasttag eingesetzt – wahrscheinlich parallel zum jüdischen Jom Kippur. Als später der Fastenmonat Ramadan verbindlich wurde, verlor das Fasten an Aschura an Bedeutung.

3.1.2015: Geburtstag des Propheten Muhammad (Mawlid an-Nabi)
Geburtstage haben in der islamischen Welt nicht dieselbe Bedeutung wie in Europa. Der Geburtstag des Propheten Muhammad, der um das Jahr 570 nach christlicher Zeitrechnung in der arabischen Stadt Mekka das Licht der Welt erblickte, spielt dort dennoch eine wichtige Rolle, besonders im Volksglauben. Auch wenn die “Mawlid an-Nabi”, türkisch “Mevlid kandili”, die Nacht der Geburt Muhammads, kein zentraler muslimischer Feiertag ist, wird sie doch in vielen muslimischen Ländern festlich begangen.

16.5.2015: Himmelfahrt Muhammads (Lailat Al-Miraj)
Die Lailat Al-Miraj ist eine der fünf heiligen Nächte im Islam. Weltweit gedenken Muslim_innen der nächtlichen Himmelsreise des Propheten Muhammad am 27. Tag des islamischen Monats Radjab nach Jerusalem, wo er gemäß der Überlieferung Abraham, Moses und Jesus traf. Der Feiertag wird von Muslim_innen in aller Welt als eines der wichtigsten Ereignisse im Leben des Propheten und zugleich als bedeutender islamischer Feiertag begangen. Die Gläubigen versammeln sich zuhause oder in Moscheen, um gemeinsam zu beten. Wie und wo Mohammed in den Himmel aufstieg, darüber sind sich islamische Gelehrte nicht einig.

3.6.2015: Nacht der Vergebung (Lailat al-Barā’a)
Zwei Wochen vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan, also in der fünfzehnten Nacht des muslimischen Monats Schaban, liegt die „Nacht der Vergebung“. Die Gläubigen hoffen in dieser Nacht die Gnade Allahs zu erlangen. Daher bitten sie in dieser Nacht Allah vermehrt um Vergebung für ihre Sünden. Die Berat-Nacht ist somit auch eine Nacht der Rechenschaft. In ihr wird die Abrechnung über alle guten und schlechten Taten vorgenommen. Es ist üblich, dass die Gläubigen sich auf den Ramadan vorbereiten, indem sie sich in den Wochen vorher auch selbst über ihre Fehler und Verfehlungen Gedanken machen und somit Bilanz über das vergangene Jahr ziehen.

17.6.2015: Beginn des Ramadan
Fasten im Islam ist eine Form des Gottesdiensts. Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam, also zu den Hauptpflichten, die ein Muslim oder eine Muslimin als Gottesdienst durchführt.
Das Fasten im Islam heißt, dass der bzw. die Gläubige von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts isst, nichts trinkt, allgemein also keine Nahrung zu sich nimmt und sich des Beischlafs enthält. Das ist das “äußere” Fasten. Das Fasten hat aber auch eine “innere” Dimension. Der oder die Gläubige soll demnach im Ramadan noch mehr als sonst darauf achten, sich gänzlich von Sünde freizuhalten d.h. nichts Verwerfliches bewusst anschauen, nichts Schlechtes reden, auf nichts Böses hören und nichts Verabscheuungswürdiges tun. Denn Fasten heißt erkennen, dass man in Wahrheit einzig und allein von Gott abhängig ist.

14.7.2015: Nacht der Bestimmung (Lailat al-Qadr)
Die Nacht der Bestimmung ist eine besondere Nacht im Ramadan. In ihr wurden die ersten Quran-Verse der Sure Al-‘Alaq (Sura Nr. 96, Verse 1-5) offenbart.

16.7.2015: Ende des Ramadan

17.-19.7.2015: Fastenbrechen (ʿĪd al-fitr)
Das Finale des Ramadan ist ohne Zweifel das Ramadanfest, das an den letzten Fastentag anschließt. Dieses Fest ist einerseits ein Ausdruck der Freude, den Ramadan erlebt zu haben, und andererseits ein Höhepunkt der gemeinschaftlichen Verbundenheit.
Durch das gemeinsame Festtagsgebet in der Moschee, die darauf folgenden Besuche, Beschenkungen und die gemeinsame Begehung des Festes werden der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

23.9.2015: Opferfest (ʿĪd al-Adhā)
Das Opferfest ist das wichtigste Fest der Muslim_innen. Es markiert Höhepunkt und Abschluss der Hadsch (Islamische Pilgerfahrt nach Mekka, die alle Muslim_innen unternehmen sollen, sofern sie physisch und finanziell dazu in der Lage sind).
Das Opferfest erinnert an den Gehorsam des Propheten Abraham und seines Sohnes Ismael. Abraham hatte eine Reihe von Träumen, in welchen er sich selbst seinen ältesten Sohn opfern sah. Er glaubte deshalb, es sei der Wille Gottes, das Leben seines Sohnes zu opfern und er war auch bereit dies zu tun. Als Abraham jedoch alle Vorkehrungen getroffen hatte und gerade den Befehl ausführen wollte, gebot ihm Gott Einhalt und verkündete ihm stattdessen die frohe Botschaft. Er hatte den Willen Gottes erfüllt und die Prüfung der Liebe gegenüber seinem Schöpfer bestanden. Abraham war als Vater von Ismael ein Vorfahre des Heiligen Propheten Muhammad.
Diese Geschichte hat großen symbolischen Charakter für alle Gläubigen und zeigt die Opferbereitschaft auf, die man in sich tragen sollte, um den weltlichen Dingen und Genüssen zu entsagen und so die Nähe Gottes erlangen zu können. Aus diesem Anlass opfern jene Gläubigen, die die Mittel dazu haben, ein Tier und geben das Fleisch an die Armen und Mittellosen.

15.10.2015: Islamisches Neujahr 1437

JÜDISCHE FESTE erklärt von Peter Weiner

Sukkoth (Laubhüttenfest): 9.-15.10.2014

Schlussfest Schemini: 16.10.2014

Simchat Torah (Tag der Gesetzesfreude): 17.10.2014
Innerhalb dieses Zeitraums finden drei verschiedene Feste statt, auch wenn der Eindruck eines einzigen Festes entsteht: Sukkot (Laubhüttenfest), Schemini Azeret (Schlussfest) und Simchat Tora (Tag der Gesetzesfreude). Der erste und der letzte Tag des Zeitraums sind die Feiertage, an denen für die Ernte gedankt wird. Die Laubhütte steht als Symbol für die 40-jährige Wanderschaft in der Wüste, nachdem das Volk von Mose durch den Willen Gottes aus ägyptischer Gefangenschaft befreit wurde. Das Bauen der Laubhütte soll den Gläubigen auch daran erinnern, dass sich der Mensch auf Materielles in der Welt nicht verlassen kann und es jederzeit verloren gehen kann.

Chanukka / Hanukka (Lichterfest): 17.-24.12.2014:
Während der Feiertage wird der Triumph des Lichtes über die Dunkelheit, der Reinheit über die Unreinheit, des Spirituellen über das Materielle gefeiert.

Purim (Rettung in der persischen Diaspora): 5.-6.3.2015:
Dieses Fest erinnert an die Rettung von Königin Ester in der persischen Diaspora. Gefeiert wird das Fest in seiner Ausführung ähnlich Karneval. Verkleidungen, Musik und Tanz gehören ebenso wie Essen und Trinken dazu, um dem Anlass eine freudige Note zu geben.

Pessah (Auszug aus Ägypten): 4.-11.4.2015:
Es ist eines der zentralen Feste des Judentums und erinnert an den Auszug aus Ägypten (Exodus). Am Vorabend des Pessach-Festes wird der Sederabend, kurz Seder genannt, gefeiert. Er ist der Beginn von Feierlichkeiten über mehrere Tage, bei denen die anwesenden Personen den Auszug des israelitischen Volkes aus der Gefangenschaft in Ägypten feiern.

Schavuot: 24.5.2015:
An Schavuot danken Jüdinnen und Juden Gott für die ersten Früchte und die Gabe der Torah

Tischa Beav (Fast- und Trauertag): 26.7.2015:
ist ein jüdischer Fast- und Trauertag, an dem die Gläubigen der Zerstörung des Jerusalemer Tempels gedenken. An diesem bedeutsamen Tag wurde der erste und der zweite Tempel sowie Betar im Bar-Kochba-Krieg (132–135 n. Chr.) zerstört. Auch soll Gott an diesem Tag das Urteil über das israelische Volk nach der Sünde des Goldenen Kalbs gefällt haben. Und exakt an diesem Tag wurde Jerusalem durch die Römer zerstört.

Rosch haSchana (Neujahrsfest): 15.9.2015
Gedenken an den Bund zwischen Gott und seinem Volk Israel

Jom Kippur (Versöhnungsfest): 23.9.2015
Dieser Feiertag steht für Umkehr, Reue und Versöhnung und ist der wichtigste und heiligste Feiertag – nach dem wöchentlichen Shabbat – im jüdischen Kalender. Jom Kippur bildet den Abschluss eines zehntägigen Zeitraums von Reue und Umkehr, der am Neujahrstag Rosch ha-Schana beginnt.